Wie kommt der Krieg ins Kind - Lesung mit Susanne Fritz

(Pressetext des Deutschen Kulturforums östliches Europa)

Samstag, 26. März 2022, 17:00 Uhr, Literaturforum im Brecht-Haus Berlin

In Wie kommt der Krieg ins Kind erzählt Susanne Fritz die Geschichte ihrer Mutter. Als vierzehnjährige Deutsche aus Schwersenz/Swarzędz bei Posen/Poznań wird ihre Mutter im April 1945 verhaftet und ins Arbeitslager Potulitz/Potulice abgeführt – in ein ehemaliges "Arbeits- und Ostjugendverwahrlager" unter SS-Kommando, das ab Januar 1945 zunächst in sowjetische, dann in polnische Hand gerät. Die Mutter verbringt viermal ihren Geburtstag im Lager – und wird später gegenüber ihren Kindern immer wieder ausrufen: "Es ist ein Wunder, dass es euch gibt." Fritz stellt sich in ihrem Nachwort die Frage: "Spielte ich damit nicht womöglich 'Beweise' für die von Polen an einer unschuldigen Deutschen begangenen Grausamkeiten in die falschen Hände?" Der Satz ihrer Mutter »Das Unrecht geschah mir zu Recht« weist der Autorin die Richtung:

"Ja, reden wir von Unrecht. Und reden wir davon, durch wen es in die Welt kam, wie es zum System erhoben und ausgebaut wurde und welche Prinzipien ihm zugrunde lagen. Reden wir über Nationalismus und Ungleichheit, über Ausgrenzung, Verachtung, Sklaverei, über Listen, Hetze und Hass. Nichts davon ist aus der Welt. Nichts davon geht nur eine Seite etwas an. Nichts davon erhebt uns über den anderen."

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Rahmen der Lesereihe "Unerhörte Familiengeschichten aus dem östlichen Europa" statt.

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