"Sie sollen uns sehen". Zur ästhetisch-emotiven Dimension des (Un-)Sichtbarkeitsdiskurses in der polnischen LGBT-Bewegung

(Pressetext des Ludwig-Uhland-Instituts für Empirische Kulturwissenschaft)

Vortrag von Agnieszka Balcerzak (München) im Rahmen des Institutskolloquiums
"(Un-)Sichtbarkeiten. Kulturwissenschaftliche Perspektiven auf machtvolle Verhandlungen von Aufmerksamkeit"

Donnerstag, 03.02.2022, 18.15 Uhr

Praktiken des (Un-)Sichtbarmachens lassen sich in verschiedenen gesellschaftlichen Feldern beobachten. Identitäts- wie forschungspolitisch stellt es eine beliebte Chiffre dar, um bislang Marginalisiertem ein Anrecht auf Sichtbarkeit zuzuweisen – so wie es gesellschaftspolitisch wie forschungspraktisch immer wieder verblüfft, wie gut Unsichtbarmachungen als konstitutives Merkmal hegemonialer Ansprüche und Diskurse funktionieren.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit stehen deshalb Im Fokus dieses Institutskolloquiums Gruppen, Lebens- und Dingwelten, die historisch und / oder gegenwärtig Arbeit an ihrer Sichtbarkeit bzw. an alternativen Sichtbarkeiten betreiben oder gegen ihre Unscheinbarkeit oder Unsichtbarkeit vorgehen. Dabei steht weniger die volkskundliche „Andacht zum Unbedeutenden“ im Vordergrund, als vielmehr Fragen nach Blick- und Aufmerksamkeitsregimen, nach Verhandlungen von Zentrum und Peripherie und danach, welche Potenziale, Zwänge und Machtverhältnisse die Praktiken des Sichtbarwerdens wie Unsichtbarmachens aufweisen – sei es im Kontext von Protest und Ermächtigung, sei es im Akt des Unterdrückens, Vereinfachens, Übersehens, Kleinmachens etc.

Doch sichtbar und unsichtbar als Kategorie kann auch schnell beliebig werden. Das Kolloquium soll daher auch Raum bieten für die Frage, inwieweit (Un-)Sichtbarkeit jenseits des politischen Anspruchs als kulturwissenschaftliche Analysekategorie konzeptualisiert wird und werden kann. Welche Perspektive geht mit dieser Praktik und Programmatik einher und wie lassen sich diese analytisch unterscheiden für ein Forschungskonzept der (Un-) Sichtbarkeit?

Beispiele dazu kommen aus der Frauen- und Geschlechterforschung, den diversity studies, der Migrationsforschung, der Visuellen Anthropologie und den material culture studies.

via Zoom    
Anmeldungen zum Kolloquium über ILIAS oder bei Karin Bürkert: karin.buerkert@uni-tuebingen.de

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Kolloquiumsprogramm