Online-Lesung, Diskussion & Publikumsdiskussion (Chat) mit der Schrift­stellerin Gabriela Adameșteanu und ihrer Übersetzerin Eva Ruth Wemme

Interessierte sind herzlich eingeladen zur Online-Lesung, Diskussion & Publikumsdiskussion (Chat) mit der Schriftstellerin Gabriela Adameșteanu und ihrer Übersetzerin Eva Ruth Wemme am 27. Januar 2021, 18:30–20 Uhr (MEZ), (19:30–21 Uhr OEZ).

Moderation: Dr. Enikő Dácz (IKGS)

Link zum Live-Stream

Zur Site der Veranstaltung (Literaturhaus Innsbruck)

Gabriela Adameșteanu verdichtet in ihrem 1984 auf Rumänisch erschienenen Roman Verlorener Morgen die Geschichte Rumäniens im 20. Jahrhundert aus dem Blickwinkel eines zur Bedeutungslosigkeit herabgesunkenen Bürgertums. Die Haupthandlung des dichten, an Proust erinnernden Texts beschränkt sich auf einen Tag. Da ist einerseits eine saturierte Bukarester Familie mitten im Ersten Weltkrieg, der die rasche ‚Verdorbenheit des Morgens‘, des überstürzten Aufbruchesm nur allzu schnell bewusst wird. Ihr gegenüber stehen – gewissermaßen die zeitliche Klammer bildend – die kümmerlichen Reste derselben Familie annähernd ein halbes Jahrhundert später in der sozialistischen Republik Rumänien, kurz vor der Machtübernahme durch Nicolae Ceaușescu. Das Bürgertum ist desavouiert und selbst das Proletariat – in Person der ehemaligen Schneiderin Vica Delcă – gehört zu den Verlierern des Morgens. Verarmt und perspektivlos hängen sie ungeachtet ihrer Gegensätzlichkeit aneinander.

Wie könnte man abstreiten, dass dieses Volk die demokratische Konstitution zu früh bekommen hat, da es noch nicht erfahren, was Freiheit bedeutet, was Demokratie bedeutet, und beides missbraucht? […] Gerade erst ist der Himmel aufgeklart und bei der ersten Wolke wird die Sonne wieder verschwinden. Ein schöner Morgen … verdorben … verloren …
Professor Mironescu über die politische Situation seiner Zeit, das Königreich Rumänien während des Ersten Weltkrieges (S. 321 u. 326)

Die in Rumänien lebende Autorin Gabriela Adameșteanu arbeitete nach einem Literatur-studium in Bukarest in diversen Verlagen und setzte erste literarische Schritte in ver-schie-denen Zeitschriften. Die politische Veränderungen Ende der 1980er-Jahre führten sie zu einem starken Engagement als Bürgerrechtlerin, wofür Adameșteanu u. a. 2002 mit dem Hellmann Hammett Award von Human Rights Watch ausgezeichnet wurde. Ihr von Eva Ruth Wemme ins Deutsche übersetzte Roman Verlorener Morgen erhielt 2019 in der Kategorie Übersetzung den Preis der Leipziger Buchmesse.

Eine Veranstaltung des Instituts für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, des Doktoratskollegs ‚Austrian Studies‘, des Literaturhauses am Inn, des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der LMU München in Kooperation mit der Österreichischen Botschaft Bukarest/Kulturabteilung.