Buchpräsentation: Nahe Fremde. Paul Celan und die Deutschen (2020)

(Prof. Dr. Wolfgang Emmerich, Bremen)

Donnerstag, 26. November 2020, 19:00 Uhr, Haus des
Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München

»Der Widerspruch zwischen Muttersprache und Mördersprache, die zugleich seine Dichtersprache war, zwischen Deutschland als einem Ort der Angst und als einem Sehnsuchtsort, sollte sich nie auflösen.« Paul Celan (1920 – 1970), der als deutschsprachiger Jude in Czernowitz geboren wurde, wollte schon früh Dichter werden, doch die Ermordung seiner Eltern im Holocaust führte zu einem zwiespältigen Verhältnis zur deutschen Sprache.
Trotzdem wurde er zu einem der erfolgreichsten deutschsprachigen Lyriker der Nachkriegszeit. Von seinem Wohnort Paris aus reiste er zu Lesungen oder auch privat immer wieder in die Bundesrepublik. Dieses Deutschland, in dem der Nationalsozialismus noch lange virulent war, blieb ihm jedoch fremd und verstörte ihn stets aufs Neue. Freundschaften mit deutschen Autoren – bei den meisten von ihnen handelte es sich um ehemalige Soldaten der Wehrmacht – scheiterten. Sein Verhältnis zu Deutschland und seiner Muttersprache, die auch die Sprache der Mörder war, erwies sich als nicht heilbar.

Der Autor Wolfgang Emmerich geht dem schwierigen Verhältnis Paul Celans zur »nahen Fremde Deutschland« auf der Grundlage seines dichterischen Werks sowie seines umfangreichen veröffentlichten Briefwechsels nach.

Professor Dr. Wolfgang Emmerich (geb. 1941 in Chemnitz) ist Literatur- und Kulturwissenschaftler. Er ist Gründer des Instituts für kulturwissenschaftliche Deutschlandstudien der Universität Bremen, das er bis 2005 leitete. Das Leben und Werk Paul Celans gehört zu seinen Forschungsschwerpunkten. Von Prof. Dr. Emmerich liegen u.a. vor: Paul Celan (1999); Gottfried Benn (2006).

Veranstaltungskalender des Bukowina-Instituts Augsburg