CfP "Nach der Seuche" /"After the Disease" – Spiegelungen 1.22


CfP "Nach der Seuche"

Das Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (IKGS) schreibt für den Themenschwerpunkt „Nach der Seuche”/„After the Disease” in den Spiegelungen 1.22 einen CfP aus.

English version below

Seuchen können neben ihren epidemiologischen Aspekten auch als ein Lackmuspapier für politische, wirtschaftliche, kulturelle und mentale Verhältnisse in den betroffenen Gesellschaften herhalten. Wie wird diese Bedrohung im Alltag verarbeitet, welche Narrative werden in diesem Kontext entwickelt, welche Strategien der mentalen Be­wäl­ti­gung angewandt, welche Verarbeitung in Form von Ritualen, Gedenk­ver­an­stal­tungen und der Setzung öffentlicher Zeichen findet statt? Im geplanten Themenheft der Spiegelungen unter dem Motto Nach der Seuche möchte sich das Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (IKGS) nicht mit dem einerseits bereits viel beschriebenen, andererseits noch nicht abschließend zu beurteilenden Phänomen „Covid-19“ befassen, sondern vielmehr dazu einladen, die kulturellen Folgen historischer Seuchen in Südost- und Zentraleuropa in den Blick zu nehmen – von den diversen Pest-Ausbrüchen vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert über Cholera, Pocken, Typhus und Malaria bis hin zu dramatischen Viehseuchen, die agrarisch geprägte Regionen besonders in Mitleiden­schaft gezogen haben.

Eine übergreifende Fragestellung sollte für alle eingereichten Beiträge lauten, wie im Besonderen Seuchen in den multikulturellen Gesellschaften Südosteuropas verarbeitet wurden, in den in der Vergangenheit auch Deutsche lebten oder auch heute noch leben. Seuchen machen bekanntlich vor nationalen, ethnischen und religiösen/konfessionellen Grenzen nicht Halt. Wie aber wirkten sie sich auf das nationale, ethnische und religiöse/konfessionelle Gefüge dieser Gesellschaften aus? Welche Alltagsstrategien – von Witzen über Anekdoten und Karikaturen bis hin zu Verschwörungsideologien und Ausgrenzungsmechanismen entwickelten die Menschen und konstruierten bzw. stereo­typisierten dabei Eigen- und Fremdgruppen? Wie bildeten sich Seuchen in der administrativen Praxis von Staaten ab (etwa in der Handhabung von Grenzregimes), welche materiellen Zeichensetzungen – häufig in Verbindung mit einer einseitig vereinnahmenden Aussage (etwa die vielerorts aufgestellten barocken Pestsäulen als Erinnerungszeichen und gleichzeitig Symbole der katholischen Gegenreformation) – gibt es in diesem Raum? Wie wurden sie in Gestalt kultureller Artefakte (Kunstwerke, Literatur etc.) reflektiert? Welche demografischen Veränderungen zogen Seuchen nach sich (etwa Migrationsprozesse)?

Abstracts mit maximal 400 Wörtern für wissenschaftliche Beiträge in deutscher oder englischer Sprache werden bis zum 1. August 2021 erbeten unter weger@ikgs.de. Aus den Vorschlägen wird eine Auswahl getroffen – spätester Abgabetermin für die end­gül­tigen Aufsätze mit einem Umfang von bis zu 30.000 Zeichen, die noch ein Double-Blind-Peer-Review-Verfahren durchlaufen, wäre der 31. Dezember 2022. Dabei sollten die Redaktionsrichtlinien des IKGS beachtet werden.

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Special issue „After the Disease” (Spiegelungen 1.22)

In addition to their epidemiological aspects, diseases can also serve as a litmus paper for political, economic, cultural and mental conditions in the affected societies. How is this threat processed in everyday life, which narratives are developed in this context, which strategies of mental coping are applied, which processing in the form of rituals, commemorative events and the setting of public signs takes place? In the planned thematic issue of our review Spiegelungen under the motto After the Disease, the Institute for German Culture and History of Southeastern Europe (IKGS) at Munich, Germany, does not want to deal with the phenomenon of "Covid-19", which has already been described a lot on the one hand, but which cannot yet be assessed conclusively on the other, but rather invites scholars to take a look at the cultural consequences of historical diseases in Southeastern and Central Europe. These range from the various plague outbreaks from the Middle Ages to the 20th century, from cholera, smallpox, typhus, malaria, to dramatic livestock epidemics that particularly affected agricultural regions.

An overarching question for all submitted contributions should be how epidemics were dealt with in the multicultural societies of Southeastern Europe, in which Germans also lived in the past or still live today. As is well known, epidemics do not stop at national, ethnic, and religious/confessional borders. But how did they affect the national, ethnic, and religious/confessional structure of these societies? What everyday strategies – from jokes to anecdotes and caricatures to conspiracy ideologies and exclusion mechanisms – did people develop, constructing or stereotyping self- and other-groups? How were diseases reflected in the administrative practice of states (for example, in the handling of border regimes), what material signs – often in connection with a one-sided statement (for example, the Baroque plague columns erected in many places as commemorative signs and at the same time symbols of the Catholic Counter-Reformation) – can be found in this space? How were they reflected in the production of cultural artefacts (literature, works of art etc.)? What demographic changes did diseases entail (such as migration processes)?

Abstracts of no more than 400 words for scholarly contributions in English or German are requested by August 1, 2021, at weger@ikgs.de. A selection will be made from the proposals – the latest deadline for final essays of up to 30,000 characters, which will still undergo a double-blind peer review process, would be December 31, 2021. The IKGS editorial guidelines should be observed.

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